Neue Studie stellt Allergieschutz durch Stillen in Frage

Stillempfehlung: Eine aktuelle Studie stellt die vor Neurodermitis schützende Wirkung in Frage. Babyfoto: © Miodrag Gajic-iStock.com, dieses Foto steht nicht zum Download zur Verfügung

Stillempfehlung: Eine aktuelle Studie stellt die vor Neurodermitis schützende Wirkung in Frage.
Babyfoto: © Miodrag Gajic-iStock.com, dieses Foto steht nicht zum Download zur Verfügung

Das atopische Ekzem, auch als Neurodermitis bekannt, betrifft immer mehr Kinder vor allem in hochentwickelten Industrienationen. In den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Neurodermitiker verdreifacht, so dass es inzwischen in Deutschland mehr als vier Millionen Betroffene gibt. Bis zu zehn Prozent der Kinder und jungen Erwachsenen leiden unter entzündeter, trockener Haut mit oft starkem Juckreiz.
Die Neurodermitis gehört wie das Asthma und der allergische Schnupfen, die durch Allergene ausgelöst werden. Aufgrund der bisherigen Datenlage ging man davon aus, dass Stillen vor allergischen Erkrankungen schützt. Deshalb wird in der aktuellen S3-Leitlinie zur Prävention allergischer Erkrankungen das ausschließliche Stillen zur Ernährung des Babys bis zu einem Alter von vier Monaten empfohlen.

SCHUTZ VOR ATOPISCHEM EKZEM IM KINDESALTER NICHT BESTÄTIGT

In der Studie wurden die Kinder auf Beugenekzeme und mittels Epikutantest auf Allergien untersucht. Auf Fragebogen machten die Eltern Angaben zu früheren Hautveränderungen und der Ernährung des Kindes. Selbst Kinder, die leitliniengerecht ernährt wurden, die also während der ersten vier Monate ausschließlich Muttermilch erhielten, hatten keine Vorteile hinsichtlich ihres Allergierisikos. Es konnte kein Zusammenhang zwischen Ekzem und Stillen über sechs Monate hergestellt werden. Vielmehr war das Risiko für die Entwicklung eines Ekzems bei exklusivem Stillen über zwei, zwei bis vier und mehr als vier Monate in allen Gruppen gleich. Lediglich bei schweren Ekzemerkrankungen lag das Risiko in der Gruppe der nichtgestillten Kinder höher. Der Effekt war jedoch nicht mehr nachweisbar, wenn die Kinder länger als vier Monate gestillt wurden. Insgesamt konnte in der ISAAC Phase-Zwei-Studie kein Hinweis darauf gefunden werden, dass Stillen Kinder vor einem atopischen Ekzem schützen könne, so die Autoren.

DAS FREI HAUTFORSCHUNGSINSTITUT MEINT: STILLEN IST WEITERHIN WICHTIG! ES FÖRDERT DAS WOHLBEFINDEN DES KINDES UND INTENSIVIERT DIE MUTTER-KIND BINDUNG.

(1) C. Flohr et al: Lack of evidence for a protective effect of prolonged breastfeeding on childhood eczema: lessons from the International Study of Asthma and Allergy in Childhood (ISAAC) Phase Two, Br J Dermatol 2011;165 (6): 1280-128